In meinen 15 Jahren als Führungskraft habe ich unzählige Gespräche mit Kollegen geführt, die sagten: „Ich habe einfach keine Zeit fürs Lernen“. Die Realität ist: Zeit fürs Lernen findet man nicht, man nimmt sie sich bewusst. Gerade in einer Geschäftswelt, die sich so schnell verändert wie heute, ist kontinuierliches Lernen nicht Luxus, sondern Pflicht. Doch wie geht man damit praktisch um?
Das Erste, was ich von erfolgreichen Führungskräften gelernt habe: nicht alles hat den gleichen Stellenwert. Wenn Sie ständig im Operativen gefangen sind, bleibt fürs Lernen nie Zeit übrig. Ich habe einmal ein Projekt geleitet, wo das Team jede E-Mail sofort beantwortete. Damals dachten wir, das sei Effizienz. Rückblickend raubte es allen die Konzentration und keinerlei Raum für Weiterbildung blieb. Heute sage ich klar: Manche Dinge können warten.
Eine Methode, die funktioniert, ist die Einordnung von Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit – die klassische Eisenhower-Matrix, aber mit Augenmaß. Lernen muss in die Kategorie „wichtig, aber nicht dringend“. Wer es dort platziert und fest in den Kalender integriert, erfährt eine völlig neue Wahrnehmung. Zeit fürs Lernen entsteht, wenn man aktiv entscheidet: Das hier ist genauso unverzichtbar wie ein Kundentermin. Machen Sie es sichtbar, wiederkehrend, unverhandelbar.
Vor einigen Jahren fragte mich ein junger Kollege, wie ich es schaffe, so viele Bücher zu lesen. Meine ehrliche Antwort: Ich blocke Zeiten im Kalender, als ob es Meetings wären. Wenn man Weiterbildung wie einen regulären Geschäftstermin behandelt, nehmen auch andere Rücksicht.
Mich hat dabei die 30-Minuten-Regel überzeugt. Statt auf den „freien Nachmittag“ zu warten, den es ohnehin nie gibt, lege ich mir täglich 30 Minuten in den Kalender, gleich nach dem Morgenmeeting. Kleine Einheiten summieren sich. Nach sechs Wochen waren es über 15 Stunden – und mein Wissen war tatsächlich gewachsen.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Führungskräfte verschieben Lernzeit sofort, wenn Kunden oder E-Mails dazwischenkommen. Doch mal ehrlich: Würden Sie einen wichtigen Kunden-Call einfach absagen? Eben. Lernen verdient denselben Status.
Die effizientesten Lernprozesse entstehen, wenn man sie direkt in Projekte einbettet. Ich erinnere mich noch gut an einen Rollout für eine Softwareplattform. Anstatt extra Zeit für Schulungen zu planen, haben wir das Lernen während der Arbeit integriert: Nutzer-Schulungen liefen parallel zu Live-Cases.
Das war nicht perfekt – einige Fehler passierten im Prozess. Aber das Resultat war nachhaltiger. Die Leute lernten in realem Kontext und die Dinge blieben hängen. Lernen wird relevanter, wenn man es sofort in der Praxis sieht.
Ich rate deshalb: Kein Lernen „in Isolation“. Suchen Sie die Brücke zwischen aktueller Arbeit und neuem Wissen. Wenn Sie sich beispielsweise mit KI-Trends beschäftigen wollen – wenden Sie sie im aktuellen Reporting oder Marketingprojekt an. Das spart Zeit, erhöht die Lernkurve und liefert sofort geschäftlichen Mehrwert.
In der Geschäftswelt glauben viele, Lernen bedeute lange Seminare. Heute weiß ich: Mikrolernen ist effektiver. Während einer intensiven Restrukturierungsphase hatte ich kaum freie Zeit. Aber ich nutzte gezielt 10-Minuten-Videos in Bahnhöfen oder zwischen Terminen. Über Wochen ergab das eine komplette neue Fachrichtung.
Die Psychologie spricht hier von „Spaced Learning“ – Lernen in kurzen Intervallen mit Wiederholung. Das ist Zeiteffizienz pur. Statt einmal im Quartal einen zweitägigen Kurs zu besuchen, nehmen Sie sich regelmäßig wenige Minuten, dafür konsequent.
Ihr Vorteil: Kein Bruch im Arbeitsalltag, keine Ausreden. 15 Minuten nach Feierabend reichen, solange Sie dranbleiben. In dynamischen Branchen ist das oft die einzige realistische Option, aber auch die nachhaltigste.
Ein häufiger Irrtum: man glaubt, man habe keine Zeit. Doch in Wirklichkeit ist es oft Routine, die uns festhält. Vor einigen Jahren stellte ich fest, dass ich jeden Morgen 45 Minuten mit Mails verbrachte, die keinerlei Wert schufen. Ich habe diese Routine gestrichen und diese Zeit ins Lesen von Reports investiert.
Das war unbequem am Anfang, aber der Effekt war spürbar. Wissen erweiterte sich, und niemand beschwerte sich über später beantwortete Mails.
Mein Tipp: Machen Sie eine ehrliche Zeitinventur. Schreiben Sie eine Woche lang auf, wofür die Stunden draufgehen. Meist finden Sie versteckte 30-60 Minuten täglich, die sich verschieben lassen. Lernen entsteht, indem man alte Gewohnheiten bricht.
Ohne klaren Zweck bleibt jede Lernbemühung defensiv. Ich habe erlebt, dass ganze Abteilungen Kurse besuchten, nur weil es „zur Kultur gehört“. Nach Monaten war das Wissen kaum noch präsent.
Wissen bleibt haften, wenn Sie es an konkrete Ziele koppeln. Als wir in 2019 die Expansion nach Osteuropa planten, hatte ich plötzlich einen klaren Grund, mich in interkulturelle Kommunikation einzuarbeiten. Dieses Lernen war zielgebunden – und dadurch nachhaltig.
Formulieren Sie messbare Lernziele: nicht „Ich will mehr lesen“, sondern „Ich will in 6 Monaten grundlegende Kenntnisse in XY entwickeln“. Lernen wird produktiver, wenn es sich direkt auf aktuelle Wachstumspläne bezieht.
Der Fehler vieler Unternehmen: Lernen wird als Kostenfaktor gesehen. Ich habe CFOs sagen hören „Dafür haben wir kein Budget“. Doch in meiner Erfahrung ist Lernzeit ein messbarer ROI-Treiber.
In einem Team konnten wir durch gezielte Weiterbildung die Vertriebsabschlüsse um 3% steigern – binnen eines halben Jahres. Rechnen Sie das mal auf Millionenvolumen hoch, und Sie merken: Lernzeit zahlt sich direkt aus.
Die Denkweise ist entscheidend. Stellen Sie sich nicht die Frage „kann ich mir das leisten?“, sondern „kann ich mir leisten, es nicht zu tun?“. Genau da liegt der Unterschied zwischen stagnierenden und wachsenden Unternehmen.
Heute ist Lernen leichter zugänglich als je zuvor. Was vor zehn Jahren noch Präsenzkurse waren, ist jetzt als Online-Masterclass verfügbar. Einer meiner Methoden-Favoriten ist die Kombination von E-Learning-Plattformen und Podcasts – perfekt für Pendelzeiten.
Was zählt ist nicht „viel“, sondern „passend“. Technologie ist Verstärker, kein Selbstzweck. Nutzen Sie sie, um Lernen effizienter zu machen, nicht komplizierter.
Zeit fürs Lernen zu finden, ist keine Frage von mehr Stunden, sondern von bewusster Entscheidung. Lernzeit entsteht durch Prioritäten, Routinen, Technologie und Verknüpfung mit echten Zielen. Als jemand, der im Laufe von Krisen und Wachstumsphasen immer wieder umdenken musste, sage ich: Lernen ist die stabilste Form von Zukunftssicherung.
Indem Sie bewusst feste Termine blockieren und diese so ernst nehmen wie Kundengespräche.
Schon 3–5 Stunden pro Woche, verteilt auf kleine Einheiten, können langfristig große Unterschiede machen.
Das hängt von Ihrer Energie ab. Viele sind morgens klarer, andere nutzen den Abend produktiv.
Ja, wenn Lernen in Projekte integriert wird. Realer Kontext macht Inhalte viel nachhaltiger.
Eine entscheidende. Kurze, wiederholte Einheiten sind effektiver als sporadische Marathon-Sitzungen.
Ja, Podcasts eignen sich hervorragend für unterwegs. Entscheidend ist allerdings aktives Zuhören, nicht reiner Konsum.
Definitiv, wenn sie messbaren Geschäftswert bringen. Sehen Sie es als Investition, nicht als Kostenpunkt.
Indem Sie klare Ziele setzen und Lernzeit an persönliche wie berufliche Entwicklung koppeln.
Sehr. Lernpartnerschaften erhöhen die Verbindlichkeit und fördern sofortigen Austausch von Wissen.
Nicht ganz. Entscheidend ist, Wissen in konkrete Handlungen und Experimente umzusetzen.
Indem Sie feste Lernblöcke einbauen, Telefon ausschalten und das Lernen wie ein Termin behandeln.
Plattformen mit klaren Lernpfaden, mobile Apps für Mikroeinheiten und Podcasts für Unterwegs-Lernen.
Stellen Sie das Lernen bewusst gleich mit Prioritäten wie Gesundheit oder Kundenprojekten.
Meist innerhalb weniger Wochen. Schon kleine neue Routinen erzeugen spürbare Fortschritte.
Ohne Zweifel. Wer kontinuierlich lernt, bleibt relevant, sichtbar und erhöht seine Aufstiegschancen.
Durch kleine Mikroeinheiten und klare Kommunikation. 20 Minuten am Tag sind realistisch einplanbar.
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